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Igluseminare
 

Februarseminar bei Extremwetter

Drei Teilnehmer müssen kurzfristig absagen, und so sitzen wir zu sechst in der altehrwürdigen Stube im Berggasthaus der Raxseilbahn. Neben uns bullert und knistert das Feuer im großen Holzofen und strahlt eine Hitze aus, die dem Schmelzpunkt meiner Fleecejacke gefährlich nahe kommt. Draußen zeigt das Thermometer -14°C, und laut Hüttenwirt tobt ein Sturm mit Spitzen von 112 km/h. Das ergibt einen Chillfaktor (Kühlfaktor) von ca. -50°C! Fleisch kann bei dieser Temperatur innerhalb von einer Minute gefrieren. Seit Tagen herrschen auf der Rax solche extremen Wetterbedingungen. Aber ich habe die Seminarteilnehmer telefonisch vorgewarnt, und so gibt es für meine Gruppe kein Problem. Helmut und Horst bringen 8000er Erfahrung mit, und wir sind alle mit speziellen Gesichtsmasken ausgerüstet. Um keine Erfrierungen zu riskieren, darf bei diesen Wetterverhältnissen kein Stückchen Haut allzu lange dem Wind ausgesetzt werden.
Ohne Kompass kein Weiterkommen! Auf dem Weg zum Bauplatz totales White-out: Wir kämpfen gegen Sturmböen an und wissen nicht mehr, wo oben und unten ist - alles ist weiß. Nebel, Sturm und Schneetreiben reduzieren die Sicht auf wenige Meter, und ich muss Karte und Kompass zu Hilfe nehmen. Beim Ziel angekommen, bauen wir ein "Dig-Iglu", das nach unten und seitlich ausgegraben wird, bis die Grundfläche so groß ist, dass drei Erwachsene bequem darin schlafen können. Nach drei Stunden (Profis sind natürlich schneller) ist die Kuppel fertig. Die Schneeblöcke wurden mit einer Reepschnur als Radius-Hilfe von Josef, Helmut und Horst so perfekt gesetzt - als hätten sie ihr Leben lang schon Iglus gebaut. Diese Igluvariante hat bei Schlechtwetter den großen Vorteil, dass unter der relativ kleinen Kuppel ein geschütztes Weiterarbeiten möglich ist. Andreas und Susanne beginnen gleich daneben mit dem Bau einer Schneehöhle, deren Eingang etwas tiefer als der Sitz- und Schlafplatz liegen muss, damit die warme Luft im Inneren "gefangen" bleibt und eine Wärmeglocke entstehen kann.
Ein halber Meter Neuschnee! Es schneit stark, der Wind ist noch immer heftig, und die Außentemperatur fällt auf 15°C unter Null. Wir verziehen uns in die fertigen Bauwerke und gleichen erst einmal unseren Flüssigkeitsverlust mit heißem Tee und warmer Suppe aus. Ich bin froh, dass die Seminarteilnehmer durchgehalten haben und wir nun alle unter dem schützenden Schnee sitzen, wo das Tosen des Sturmes überhaupt nicht zu hören ist.
Wir besuchen einander noch in unseren beiden Schneebiwaks, kochen miteinander und teilen die mitgebrachten Lebensmittel. Danach verkriechen wir uns in die Schlafsäcke. Draußen liegt bereits ein halber Meter Neuschnee. Einige Kerzen lassen flackernde Schatten über unsere müden und zufriedenen Gesichter huschen, und der obligatorische Glühwein macht die Runde.
Im Laufe der Nacht, in der es wie wild weiterschneit, schaufelt jeder, der mal hinaus muss, den Zugang zum Iglu frei. In der Früh ist das Iglu fast ganz zugeweht, was jedoch der Kuppel, auf der man auch herumgehen kann, nichts ausmacht.

Kaiserwetter beim Märzseminar

Sechs Seminarteilnehmer wollen es diesmal wissen, wie es ist, eine Nacht im Schnee zu verbringen. Ich möchte mit Ihnen ein großes Iglu bauen, das Platz für sechs Personen zum Schlafen und für die Ausrüstung bietet. Wir wollen auch ein Grabenhaus für zwei Personen errichten, das im Notfall für Nichtprofis die schnellere Variante ist, unter die schützende Schneeoberfläche zu kommen, falls keine Schneehöhle gegraben werden kann.
Für unser Grabenhaus brauchen wir für die Dachkonstruktion keine Skier, Skistöcke und Biwaksäcke. Lediglich eine Schneesäge, die mit ihren 120 Gramm nicht ins Gewicht fällt, ist für die Herstellung des Dachs aus Schneeblöcken notwendig.
Bei einer Tagestemperatur um +5°C, blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein schneiden wir die notwendigen Schneeblöcke für die Kuppel zu, was bei so vielen Teilnehmern bald geschehen ist. Wir bauen unser Iglu ganz in der Tradition der Inuit. 
Als die letzten Schneeblöcke gesetzt werden und die Kuppel fast fertig ist, macht sich unter den Teilnehmern eine allgemeine Euphorie breit, die auch mich erfasst. Dieses Hochgefühl führt dazu, dass wir alle noch weiterarbeiten wollen, obwohl wir schon knapp nach Einbruch der Dunkelheit mit dem Iglu und dem überdachten Eingangstunnel fertig sind. So stehen wir noch einige Zeit im Schein unserer Stirnlampen vor dem schon von innen mit Kerzen erleuchteten Iglu und betrachten stolz unser Werk - wir fühlen uns als Team. 
Der gemütliche Teil. Nach getaner Arbeit setzen wir uns im Iglu auf Isomatten, und in unserer Mitte surren fleißig Benzin- und Gaskocher - das Abendessen will erst gekocht werden. Manfred entpuppt sich als begeisterter Gourmet-Koch. Zwiebel, Speck, Karotten, Kartoffeln und Eipulver wandern in seine Pfanne und werden dort zum "First-class-Menü". Der Duft, der dabei entsteht, läßt uns allen etwas neidisch das Wasser im Mund zusammenlaufen. Zu siebent - es hätten eigentlich noch mehr Personen Platz - sitzen wir im Kreis, und der Glühwein erhitzt unsere Wangen. Franz erzählt uns von seiner 7000er-Besteigung, Alfred ist Alpin-Lehrwart, Christopher ist Segellehrer, Andreas, Björn und Manfred sind in der Outdoorbranche tätig. Jeder hat eine Geschichte auf Lager, und wir scherzen und lachen noch bis spät in die Nacht.